CDU Kreisverband | Gütersloh
 
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15.07.2016, 13:12 Uhr
CDU würdigt von Galens Predigten
75. Jahrestag

Zeitpunkt und Ort waren bewusst gewählt: Am 75. Jahrestag der ersten von drei weltweit beachteten Predigten Kardinal Graf von Galens gegen das Nazi-Regime hat der CDU-Kreisverband Gütersloh mit einem wissenschaftlichen Vortrag dieses Ereignisses gedacht. Veranstaltungsort war das Heimathaus in Harsewinkel. Die Stadt zählt zu den wenigen Gebieten im Kreis Gütersloh, die zum Bistum Münster gehören, wo von Galen seit 1933 als Bischof tätig war. Als Referenten hatte der heimische Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Ralph Brinkhaus Dr. Christoph Kösters eingeladen. Kösters ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kommission für Zeitgeschichte in Bonn, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die jüngere Geschichte des deutschen Katholizismus zu erforschen.

Erinnerten an Kardinal Graf von Galen (v.l.): Ralph Brinkhaus MdB, Dr. Christoph Kösters, erste stellv. Bürgermeisterin Pamela Westmeyer, CDU-Ortsverbandsvorsitzender Klaus Thiemann und der Gütersloher CDU-Stadtverbandsvorsitzende Raphael Tigges.
In der ersten seiner drei großen Predigten vom 13. Juli 1941 verurteilt von Galen die Willkürmaßnahmen der Geheimen Staatspolizei gegen den Klerus und die deutsche Bevölkerung. In einer berühmt gewordenen Passage postuliert er die Gerechtigkeit als das einzige tragfeste Fundament aller Staatswesen und fordert das Recht auf Leben, Unverletzlichkeit und Freiheit ein. Während von Galen die Vorwürfe in seiner zweiten Predigt erneut aufgreift, prangert er Anfang August in seiner dritten Predigt das nationalsozialistische Euthanasieprogramman an, in dessen Zuge Kranke  als „unwertes Leben“ getötet wurden.

„Um die große Wirkung der Predigten zu verstehen, muss man den historischen Kontext sehen“, erklärte Kösters. „Wenige Wochen zuvor hatte der Russlandfeldzug begonnen und die Stadt Münster hatte Anfang Juni ihren ersten Luftangriff erlebt. Der Krieg war in seine entscheidende Phase getreten. Die Bevölkerung sah sich mit rasant steigenden Zahlen von Gefallenen konfrontiert und das Regime agierte nach innen und außen mit immer ungehemmteren Gewaltmaßnahmen.“

Kösters wies aber auch darauf hin, dass von Galen von der Geschichtswissenschaft durchaus ambivalent beurteilt wird. So äußerte er sich zum Beispiel zustimmend zum Überfall auf die Sowjetunion, den er vor allem als Kampf gegen den Bolschewismus sah. Lebhaft diskutiert wurde im Anschluss an den Vortrag auch die Frage, inwieweit von Galen die Möglichkeit gehabt hätte, aktiven Widerstand auszuüben. „Auf seine Haltung dazu gibt von Galen eine Antwort in seiner zweiten Predigt, in der er bemerkt, dass Christen eben keine Revolution machten“, sagte Kösters. Seine mutigen Predigten, für die der Bischof den Beinamen „Löwe von Münster“ bekam, verbreiteten sich in Deutschland jedenfalls mit enormer Geschwindigkeit. Wie nachhaltig der Eindruck gewesen sein muss, zeigte auch die Tatsache, dass sich ältere Zuhörer der Veranstaltung noch daran erinnern konnten, wie die Texte in ihrer Kindheit zu Hause auf Schreibmaschinen vervielfältigt worden waren.
   
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